Nasenpolypen sind das Resultat einer chronischen Inflammation.1

Die chronische Rhinosinusitis ist weltweit eine der häufigsten chronischen Erkrankungen.2 Die Prävalenz für chronische Rhinosinusitis liegt in Europa bei ca. 10,9 %. Die chronische Rhinosinusitis kann in zwei Gruppen eingeteilt werden: In chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (CRSwNP) und in chronische Rhinosinusitis ohne Nasenpolypen (CRSsNP).

Alle Infos zu einer Therapieoption bei CRSwNP finden Sie hier

ca.20%

der Patienten mit chronischer Rhinosinusitis sind von Nasenpolypen betroffen.2,3

ca.1–4 %

der Bevölkerung leiden an chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (CRSwNP), die im Durschnitt mit 42 Jahren zum ersten Mal auftritt.2

Nasenpolypen

Nasenpolypen sind in der Regel bilaterale, inflammatorische Auswerfungen der Mukosa, die sich gestielt oder breitbasig in das Lumen einer Nasennebenhöhle oder in die Nasenhaupthöhle vorwölbt. Sie können zu einer teilweise oder vollständigen Obstruktion der oberen Atemwege führen.2,3 Die Nasenpolypen entwickeln sich im Laufe der chronischen Entzündung durch Umbau (Remodeling) des betroffenen Gewebes.2, 4-7

Die chronische Rhinosinusitis ist definiert als:2,3

  • eine Entzündung der Nase und der Nasennebenhöhlen,
  • die mehr als 12 Wochen anhält und
  • die durch zwei oder mehr der folgenden Symptome charakterisiert ist:
Geruchsverlust Geruchsverlust
Nasale-Obstruktion Nasale Obstruktion
Rhinorrhoe Rhinorrhoe
Druckschmerz Druckschmerz
  • und entweder endoskopische Zeichen aufzeigt: Nasenpolypen, mukropurulentes Sekret im mittleren Nasengang, Ödem/Schleimhautschwellung primär im mittleren Nasengang
  • und/oder CT-Veränderungen aufweist: Schleimhautveränderungen im ostiomeatalen Komplex und/oder den Nasennebenhöhlen

Multifaktorielle Ursache: chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (CRSwNP)

Die inflammatorischen Prozesse der CRSwNP sind das Resultat eines komplexen Zusammenspiels von Umweltfaktoren (Allergene, Toxine, Pathogene) und individuellen Faktoren (Genetik, immunologische Dysfunktion).8-12 Insbesondere die Fehlregulation des Immunsystems bzw. die zugundeliegende Typ-2-Inflammation spielt bei der Pathogenese der CRSwNP eine entscheidende Rolle.12,13

Multifaktorielle-Ursache

Bei bis zu 80 % der Patienten liegt der CRSwNP eine Typ-2-Inflammation zugrunde13

Die Typ-2-Inflammation beschreibt inflammatorische Signalwege, die Ursachen bestimmter chronischer Erkrankungen sein können, wie z. B. CRSwNP, Asthma oder atopischer Dermatitis.12

Bei der Typ-2-Inflammation ist das native, sensible immunologische Gleichgewicht gestört. Es liegt eine Überaktivität bestimmter Zellen des erworbenen sowie des angeborenen Immunsystems (z. B. TH2-Zellen und die ILC2-Zellen) vor, die ein Übermaß an entzündungsfördernden Typ-2-Zytokinen produzieren. Hierzu zählen beispielsweise Interleukin (IL)-4, IL-13, und IL-5. Diese Typ-2-Zytokine sind Schlüsselmediatoren der Typ-2-Inflammation, indem sie im betroffenen Gewebe beispielsweise zu einer epithelialen Dysfunktion und zu IgE- bzw. eosinophil-vermittelten Entzündungsreaktionen beitragen. Aus diesem Grund sind bei Patienten mit schwerer CRSwNP erhöhte Konzentrationen dieser Zytokine im Serum und im Nasenpolypengewebe zu finden.12,14-17

Die Rolle von IL-4 und IL-13

IL-4, IL-13 und IL-5 sind u. a. verantwortlich für:10

  • Produktion von IgE und Infiltration von Immunzellen in Gewebe (z. B. Eosinophile)
  • Erhöhte Schleimproduktion
  • Epitheliale Barrierestörung
  • Mikrobielle Dysbalance
  • Gewebeumbau (Remodeling) und folglich Polypenbildung

IL-4 und IL-13 sind Schlüsselmediatoren der Typ-2-Inflammation18-21

IL-4 und IL-13 sind Schlüsselmediatoren der Typ-2-Inflammation

Möglicher Therapieansatz: Duale Rezeptorblockade der Signalwege von IL-4 und IL-1321

Die Rezeptoren von IL-4 und IL-13 besitzen eine gemeinsame Untereinheit: IL-4Rα. Diese Untereinheit kann durch einen Antikörper blockiert werden, der damit die Signalwege von IL-4 und IL-13 hemmt und so gezielt in das Entzündungsgeschehen eingreift.15 Dieser Weg eröffnet neue Chancen in der Behandlung der schweren chronischen Rhinosinusitis mit Nasenpolypen.

Möglicher Therapieansatz: Duale Rezeptorblockade

Erkrankungen mit zugrundeliegender Typ-2-Inflammation15-17

Eine Typ-2-Inflammation kann nicht nur der schweren CRSwNP zugrunde liegen. Patienten, die unter schwerer CRSwNP leiden, können deshalb auch von anderen Krankheiten, denen eine Typ-2-Inflammation zugrunde liegt, betroffen sein. Diese Begleiterkrankungen erhöhen die Krankheitslast der Patienten zusätzlich.

CRSwNP = Chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen ILC2-Zelle = Innate lymphoide Zelle vom Typ 2 IL = Interleukin TH2-Zelle = T-Helferzelle vom Typ 2
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